Variazioni e un piano meccanico

Variazioni e un pianoforte meccanico wurde 1986 durch die Weiterentwicklung von kompositorischen Techniken erstellt, die ich erstmals 1978 erdachte und einsetzte; diese Techniken erlauben die gleichzeitige, unabhängige sowie fast stufenlose Steuerung vieler musikalisch relevanter Faktoren (wie z.B. der Stärke tonaler und metrischer Felder) in parallel laufenden Musikströmungen, und zwar - durch mein für dieses Stück entstandene Computerprogramm "Autobusk" - in Echtzeit. Für diese Komposition wurde der harmonische und metrische Ablauf aus der Arietta Op.111 von Beethoven bereitgestellt; die Musik, die durch einen Durchlauf des Programms entsteht, wird an ein computergesteuertes Selbstspielklavier geführt. Jeder neue Programmdurchlauf erzeugt eine etwas andere, von der zuletzt realisierten jedoch nur in unwesentlichen Details abweichende Musik.
Dem Stück liegt folgende theatrale Dramaturgie zu Grunde: Ein Pianist beginnt, die o.g. Arietta zu spielen, aber bevor das Ende des Themas erreicht ist, merkt, dass das Klavier einige, von Beethoven nicht vorgesehenen Töne hinzugefügt hat. Nachdem sich dieses Phänomen eine Weile lang verstärkt und verdichtet, sieht sich der vermeintliche Interpret genötigt, sich vom Instrument zu entfernen. Erst gegen Ende, nach einer langen Reise durch verschiedene musikalische Landschaften, kehrt der Pianist zum Klavier zurück und erinnert durch ein kräftiges Greifen in die Tasten an das Beethoventhema, womit die Musik begonnen hatte.